Kottbusser
Veröffentlicht amWeitere Aufarbeitung historischer Bierstile!
Das Kottbusser Bier ist eine historische Bierspezialität aus der Stadt Cottbus (Kottbus) in Brandenburg. Gebraut mit Gerste, Weizen und Hafer reiht es sich in historischen deutschen Biere ein, die mit dem Siegeszug des Pils in Vergessenheit gerieten. Erst die Craftbeer-Bewegung und Hobbybrauer greifen den Stil wieder auf und bringen ihn ins Glas.
Stammen die ersten Berichte bereits aus dem 14. Jahrhundert, erlebte es seine Blüte vom 17. bis ins 19. Jahrhundert und wurde als Exportbier weithin geschätzt.
So heißt es in Gustav Freytags Erzählungen eines preußischen Soldaten:
[…] sobald das Exerzieren vorbei war, flogen wir miteinander in Schottmanns Keller, tranken unsern Krug Ruppiner- oder Kottbusser Bier, schmauchten ein Pfeifchen und trillerten ein Schweizerlied. [1]
Auch sind verschiedene Rezepte überliefert, um das Kottbusser noch weiter zu veredeln: [2], [3]
Rezept
Ein Rezept liefert uns der Chemiker und Brauwissenschaftler Sigismund Friedrich Hermbstädt, 1836 [4]:
Ergänzt wird dies im Rezept von Christian Heinrich Schmidt, 1853, der sich auf Hermbstädt beruft, aber das Rezept um den Hafer ergänzt, stärker braut und leicht abwandelt [5]:
Rechnet man diese Rezepte auf moderne Einheiten um, ergibt dies ein leichtes bis mittelstarkes Bier im Bereich von 4-5 % alc.
Dies wird auch durch chemische Analysen aus dem Jahr 1751 (4,5% alc.), 1810 (2,2 % alc.)und 1812 (3,4 % alc.). bestätigt, wobei die Messung mit 2,2% alc. wohl eher einem Koventbier (Nachgussbier) entspricht [6], [7], [8].
Besonders interessant in den oben genannten Rezepten ist die auch zu damaliger Zeit etwas ungewöhnliche Art der Hopfung:
Zur Hopfenblase finden sich leider keine Quellen, aus allgemeinen Beschreibungen der Zeit lässt sich aber schließen, dass es sich einfach um ein Gefäß gehandelt hat, in dem der Hopfen mit heißem Wasser ziehen gelassen wurde.
Nicht explizit erwähnt ist die Art der Hefe, aus anderen Quellen ist aber zu entnehmen, dass das Bier im Gegensatz zu einem modernen Weizenbier nicht mit einer Weizenbierhefe, sondern mit einer obergärigen Hefe vergoren wurde
Brauversuch
Ausgehend vom Rezept von Christian Schmidt wurde folgendes Rezept auf einer Heimbraueranlage gebraut:
Kottbusser nach Christian Heinrich Schmidt
Eckdaten
Stammwürze: 10.3 °P
Restextrakt: 2.3 °P
IBU: 18
Farbe: 7.9 EBC
Zutaten
2.8 kg (58.3%) Pilsner Malz
1.5 kg (31.3%) Weizenmalz
400 g (8.3%) Haferflocken
50 g (1%) Rohrohrzucker
50 g (1%) Honig
69 g (18 IBU) — Saaz 2.3%ɑ
1 Pckg — Gozdawa OGA9 Old German Altbier
Zubereitung
Maischen
Temperatur — 67 °C — 60 min, 62.3% Ausbeute
Kochen
Sudgröße: 24 L, Kochzeit: 60 min, Kochvolumen: 25 L
Hopfung
Der Pellethopfen wurde mit kochendem Wasser übergossen und für 10h in einer Thermoskanne stehen gelassen. Der abgesiebte und ausgepresste Hopfentee wurde dem Sud beim Abkühlen der Würze hinzugegeben.
Gärung
7 Tage bei 17 °C
Ergebnis
Nach der Gärung und Lagerung für 2-3 Wochen präsentiert sich das Bier mit etwas Trübung und nicht sehr stabilen Schaum.
Der Geruch ist getreidig, nach Weizen und Hafer. Kaum Hopfenaroma in der Nase. Der Körper ist für ein leichtes Bier sehr vollmundig, ähnlich eines leichten Weizenbiers. Im Geschmack treten Weizen und Hafer hervor, die Bitterkeit ist sanft und ausgewogen. Der Hopfen kommt nur sehr schwach mit einer ganz leichten würzig, blumigen Note aus dem Hintergrund hervor. Die Hefe liefert dezente Fruchtester.
Insgesamt könnte man das Bier als Weizenbier-Kölsch Hybrid bezeichnen.
Leicht, frisch, ohne die bekannten Weizenbier-Hefearomen, wie Nelke oder Banane, aber mit dem vollerem Körper und der Getreidigkeit eines leichten Weißbieres.
Kein Wunder also, dass sich das Kottbusser großer Beliebtheit erfreut hat.
Als moderne Variante kann man es sich gut mit etwas fruchtigem Aromahopfen als schönes Sommerbier vorstellen.
Quellenverzeichnis
[1] Freytag, G. (2023). Gustav Freytag: Romane, Dichtung, Historische Bücher, Dramen & Memoiren: Die Ahnen; Soll und Haben; Die verlorene Handschrift; Graf Waldemar.. Retrieved from https://books.google.de/books?id=JT7mEAAAQBAJ
[2] Hartmann, C. (2012). Das Bier als deutsches Nationalgetränk (S. 56). Retrieved from https://books.google.de/books?id=UlSbaGar5YEC
[3]Jungius, L. F. (2020). L. F. Jungius: Vollständige und umfassende theoretisch-praktische Anweisung der gesammten Kochkunst. Band 3 (S. 273). Retrieved from https://books.google.de/books?id=XzzoDwAAQBAJ
[4]Hermbstädt S.F. (1836) Vollkommene Bierbrauerei nebst Brantweinbrennerei und Essigfabrikation: ein gründlicher Unterricht, alle in Deutschland, England und Frankreich üblichen Arten Bier nach den neuesten Erfahrungen zu brauen, Branntwein zu brennen und Essig zu fabrizieren (S. 237f). Retrieved from https://books.google.de/books?id=h27sFhxCX0kC
[5]Schmidt, C. H. (1853). Grundsätze der Bierbrauerei nach den neuesten technisch-chemischen Entdeckungen, oder …: mit besonderer Berücksichtigung der Bayerischen Brauerei (S. 446f).. Retrieved from https://books.google.de/books?id=G8tF4oAOseQC
[6]Neumann, C., Kessel, C. H., Dendeler, J. J., & Waisenhaus (Züllichau, P. (1751). D. Caspar Neumanns Ehemaligen Königl. Preußischen Hof-Raths, Professoris des Chymie und Decani bey dem Collegio Medico-Chirurgico, Mitgliedes des Königl. Preußischen Ober-Collegii Medici zu Berlin, Adjuncti der Römisch-Kayserl. Akademie, deßgleichen der Königl. Groß-Brittannischen und Königl. Preußischen wie auch Päbftlichen Akademie der Wissenschaften Mitgliedes, CHYMIAE MEDICAE DOGMATICO-EXPERIMENTALIS TOMI SECUNDI, PARS PRIMA, oder der gründlichen und mit Experimenten erwiesenen Medicinischen Chymie des zweyten Bandes: Die chymische Untersuchung der meisten zum Pflanzen-Reiche gehörigen Materien, darinnen gezeiget wird, wie deren natürliche Mischung zu entdecken und was für Artzneyen davon verfertiget werden können, enthaltend, erster Theil (S.513). Retrieved from https://books.google.de/books?id=V7YkZ_9SSOsC
[7] Hermbstaedt, S. F. (1810). Bulletin des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der Naturwissenschaft, so wie den Künsten, Manufakturen, technischen Gewerben, der Landwirthschaft und der bürgerlichen Haushaltung: für gebildete Leser und Leserinnen aus allen Ständen (S. 73). Retrieved from https://books.google.de/books?id=QwY4AAAAcAAJ
[8] Flörke H.G. (1812) Repertorium des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der gesammten Naturkunde. (S.70). Retrieved from https://books.google.de/books?id=ZQ85AAAAcAAJ

